Weltraumflüge und Mondlandung inspirieren die Nordhorner Textilindustrie
Zwischen 1961 und 1973 bricht die US-Raumfahrtbehörde NASA mit den Raumflügen des Apollo-Programms ins Weltall auf. 1969 gelingt die erste Mondlandung. Von der Faszination der ersten Weltraumflüge lassen sich auch die Nordhorner Textiler bei NINO und Povel anstecken. Bereits im Frühjahr 1966 präsentiert NINO in einer Reihe von Werbeanzeigen in bundesdeutschen Modezeitschriften eine „Trans-All-Kollektion“. Die Aufnahmen der einzigartigen Modefotografin Christa Peters zeigen einen „Weltraumlook für kühne Mädchen“ aus schimmernd weißen, federleichten NINO-Flex-Stoffen, deren Design unmittelbar auf den futuristischen, in schwarz-weißer Farbgebung gehaltenen „Space-Girl-Look“ verweist, mit dem der Pariser André Courregès 1964 einen sensationellen Auftritt als Modeschöpfer des Weltraumzeitalters feiert. Für den Trans-All-Look greifen die NINO-Modemacher etliche Elemente der Courregès-Kollektion auf: Schmal geschnittene Kurzmäntel und mit geometrischen Mustern versehene Hosen. Begleitet von passenden Kunststoff-Accessoires wie stylische Regenkappen und flache, in metallischem Weiß schimmernden Stiefeln.

1969 zündet der örtliche Konkurrent Povel mit seinem hauseigenen „Apollo-Programm“ eine Moderakete. Eine spezielle Mini-Kollektion für junge Frauen. Die Idee des „Apollo-Programm“ von Povel formuliert der Geschäftsführer Dr. Werner Linnemann während der Jahrespressekonferenz 1969:
„Das Apolloprogramm ist unser Rendezvous mit der modischen Zukunft. Wir wollen das epochale Ereignis der Mondlandung für die Verkaufsaktivierung nutzen. Denn ebenso explosiv, modern, zukunftssicher und richtungweisend wie das Apollo-Raumfahrt-Programm ist unsere Kollektion von Povel-Jerseystoffen aus synthetischen Trevira-Polyphan-Fasern.“

Bereits im Dezember 1968 startet Povel die erste Raketenstufe mit einem Apollo-Modellwettbewerb: Dreißig Bekleidungshersteller aus der Bundesrepublik, aus Holland, und Skandinavien reichen ihre Ideen für eine „junge Damenmode im Apollo-Stil“ ein. Im April 1969 werden die Gewinner-Modelle bei einer großen „Apollo-Modenschau“ vorgestellt, die Povel im Rahmenprogramm der alljährlichen „IGEDO-Damenmodemesse“ inszeniert.
Die Fachzeitschrift Textilwirtschaft feiert „ein avantgardistisches Marketingprogramm, das im Raumfahrttempo das Publikum erobern soll“. Im Rheingoldsaal der Düsseldorfer Rheinterrassen erfolgt der Countdown zur zweiten Stufe des Apollo-Starts. Den Aufbruch ins modische Weltall unterstreichen silberne Ballonkapseln unter der goldenen Kuppel, Sphärenmusik und über den Laufsteg tanzende Apollo-Mädchen in glitzerndem Sternenschmuck, superkurzen Minikleidchen, farblich passenden Strumpfhosen und poppig bunten, eng tailliert geschnittenen Blusen.
Ein millionenschweres Mode- und Marketingprogramm, das in den Wochen und Monaten nach der geglückten Mondlandung der Amerikaner zu einem wahren Verkaufsschlager werden sollte. Im September 1969 zündet Povel die Hauptstufe seiner Apollo-Rakete. In bundesweit erscheinenden Mode- und Frauenzeitschriften wie Petra, Freundin, Für Sie und Brigitte erscheinen eine Reihe ganzseitiger Farbanzeigen, mit denen die in Povel-Lizenz hergestellte „Apollo-Kollektion“ beworben wird. Aufwendig gestaltete Fotomontagen, die Povel-Weltraummädchen in der Umlaufbahn des Mondes durch das All fliegen lassen. Eine romantische Popmode auf dem Weg zum Mond, zu fremden Sternen und Planeten. Im September 1969 schaltet Povel zudem insgesamt zwölfmal einen halbminütigen Apollo-Werbespot im ZDF-Fernsehprogramm.
Ob der „Trans-All-Look“ von NINO oder der „Apollo-Stil“ von Povel – ähnlich frech, kühn, zeitgeistig und verrückt sollten die Kollektionen der Nordhorner Textiler nie wieder ausfallen. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin dürften jedenfalls nichts dagegen gehabt haben, wenn sie den Mondmädchen von NINO und Povel in den Weiten des Alls begegnet wären.
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