Kategorie: Swinging Nordhorn

  • Die Grafschaft im Mambo-Fieber – im Kino läuft „Dirty Dancing“

    Hätten Sie’s gewusst? Vom Dezember 1987 bis Ende April 1988 läuft der Tanz- und Liebesfilm „Dirty Dancing“ im Nordhorner Capitol-Kino – 18 Wochen lang. Die verführerische Qualität des Films bringt den Paartanz zurück in die Diskotheken. Die GN melden: „Auch Grafschafter im Mambo-Fieber. Dirty Dancing löste Ansturm auf Tanzschulen aus. Viele hat der Ehrgeiz gepackt, es den Filmvorbildern Jennifer Grey und Patrick Swayze gleichzutun“.

    Im Mai 1988 erscheint eine ganzseitige Reportage, in der GN-Redakteur Detlef Kuhn dem Dirty Dancing-Mambo-Fieber nachspürt: „Wie viele junge Frauen hat die 22jährige Lisa den Film bereits sechsmal gesehen. Sie ist begeistert von der Entwicklung der Hauptdarstellerin im Film. Das wohlbehütete Mittelstandskind Baby Houseman (gespielt von Jennifer Grey) ist im Sommer 1963 in einem Urlaubscamp in den USA von ihrem Tanzlehrer Johnny (gespielt von Patrick Swayze) fasziniert, einem gelernten Maurer, der mit seinen Kumpels pausenlos Tanzorgien veranstaltet. Innerhalb weniger Tage mausert sich Baby unter Anleitung von Johnny vom Aschenputtel zum Tanzteufel – die Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. In der Bude von Johnny kommt es dann zum Höhepunkt: die beiden tanzen hinreißend Mambo – und landen dann im Bett. So ist es eben – das Mambo Fieber.

    Ein Fieber, das rund 100 jung und jung gebliebene teilen, die sich seit vier Wochen an jedem Samstag in der Tanzschule Jobmann am Mambo-Tanz versuchen. Der Tanz vermittelt ein ganz anderes, positives Lebensgefühl – über dem man alles andere vergessen kann. Da zählt nur noch der gelungene Hüftschwung und die Hingabe an den Rhythmus der Musik. Tanzlehrerin Christina Jobmann gibt die Regieanweisungen. Es wird deutlich, weshalb beim Mambo die Körpermitte viel wichtiger ist als die Füße. Jetzt sieht man, was daraus entspringt, was den Tanz so auffällig und das Erlernen so begehrenswert macht – die Erotik: „Wir schieben die Hüfte über den linken Fuß… so ist die Hüftbewegung da und ich mach‘ meinen Partner an“.

    Der Mambo kommt eindeutig aus dem „Busch“. Anschaulicher als Christina Jobmann kann man nicht formulieren, was den Tanz ausmacht. Er ist eigentlich etwas für Leute, die ein anderes Verhältnis zu ihrem Körper haben als die Europäer. Im Mambo paaren sich der freche Rhythmus des Cha-Cha, die Hüftbewegung aus dem Samba, die Domninanz des Herren aus dem Paso Doble, die Erotik des Rumba und der Spaß am Jive zu jener fröhlich stimmenden Mischung, die so unwiderstehlich ist. Die für den „schmutzigen“, da exotisch-erotischen Tanz entflammten jungen Leute hält es nicht mehr in den Kinosesseln. Nicht nur in Nordhorn füllen sie die Tanzstudios und Diskotheken.“

    Denn die Diskotheken veranstalten nun Tanzwettbewerbe zum Film. Eine Anzeige des „Paper Moon“ in Lohne vom Mai 1988: „Action-Super-Fete: gesucht wird ein Traumpaar ala Dirty Dancing. Wer tanzt wie „Baby“ und „Johnny“? Vorausscheidung zum bundesweiten Dirty-Dancing-Tanzwettbewerb. Dem Siegerpaar winkt eine Flugreise nach Hollywood“.

    Es sollte weitere 12 Jahre dauern, bis die ABC-Filmtheaterbetriebe vergleichbar erfolgreiche Filme zeigen sollten: Das waren die achtteilige Serie der Harry-Potter Filme vom Auftakt in 2001 mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ bis zum Finale „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 2)“ im Jahre 2011 sowie die „Herr der Ringe – Filmtrilogie“ des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson. Insgesamt 11 Filme, die zwischen 2001 und 2011 für lange Schlangen vor der Kinokasse des Astoria-Palastes sorgten.

    Was es sonst noch gab? Die Kinohitparade aus dem Nordhorn der 80er:

    Platz 1: Dirty Dancing, Tanzfilm, Regie: Emile Ardolino, USA 1987 (18 Wochen)

    Platz 2: Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, Dokumentardrama, BRD 1981, Regie: Ulrich Edel (9 Wochen)

    Platz 3: Otto, der Film, Comedy, Regie: Xaver Schwarzenberger, BRD 1985 (9 Wochen)

    Platz 4: Theo gegen den Rest der Welt, Loser-Komödie, Regie: Peter Bringmann, BRD 1980 (8 Wochen)

    Platz 5: Drei Männer und ein Baby, Gesellschaftskomödie, Regie: Coline Serreau, Frankreich 1985 (7 Wochen)

    Platz 6: Zurück in die Zukunft, Hollywood-Komödie, Regie: Robert Zemeckis, USA 1985 (7 Wochen)

    Platz 7: E.T. der Außerirdische, Science-Fiction-Märchen, Regie: Steven Spielberg, USA 1982 (6 Wochen)

    Platz 8: Das Boot, Weltkriegsdrama, Regie: Wolfgang Petersen, BRD 1980 (6 Wochen)

    Platz 9: Das Imperium schlägt zurück – Krieg der Sterne, Teil 2, Space-Opera, USA 1980 (5 Wochen)

    Platz 10: Blues Brothers, Musikkomödie, Regie: John Landis, USA 1980, (4 Wochen) …


    Wir sind unterwegs im Auftrag des Herrn. Es sind 106 Meilen bis Chicago, der Tank ist voll, wir haben ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen“ (Zitat aus dem Film „Blues Brothers“, 1980)

    Weitere vor allem von jungen Leuten besuchte Angebote der ABC-Filmtheater:

    Purple Rain“ von Prince (USA 1984); die Rock-Fantasie „Streets On Fire – Straßen in Flammen“ (USA 1983) – und das in den USA gedrehte Roadmovie „Paris, Texas“ von Wim Wenders (1984).


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  • Easy Rider und Saturday Night Fever – die Kinolandschaft der 70er


    Vor 50 Jahren sieht es in der Nordhorner Kinolandschaft noch ganz anders aus. Es gibt nicht ein einziges UCI-Kino de Luxe (mit luxuriösen Sitzen, Ticket- und Popcorn-Preisen), sondern die drei Kinos der ABC-Filmtheaterbetriebe: Den Astoria-Palast am Stadtring, das Capitol an der Neuenhauser Straße und das Bavaria an der Bentheimer Straße (abgerissen im Jahre 2017), allesamt betrieben von der Familie Heinz und Luise Stroeve.


    Für junge Leute sind die 70er eine gute Kino-Zeit. Es laufen herausragende US-Filme der „New Hollywood“-Generation. Regisseure wie Dennis Hopper, Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Michael Cimino, Peter Bogdanovich, Arthur Penn, William Friedkin und Woody Allen erobern weltweit die Kinoleinwände. Eine elektrisierende Mixtur an Roadmovies wie „Easy Rider“ und „Fluchtpunkt San Francisco / Vanishing Point“, Mafia-Thrillern, Vietnam-Dramen und Großstadt-Komödien. Den größten Kinoerfolg in Nordhorn feiert ein in den USA gedrehter Spätwestern des italienischen Regisseurs Sergio Leone: „Once Upon A Time In The West – Spiel mir das Lied vom Tod“.


    Europäische Regisseure wie Roman Polanski, Hal Ashby und Milos Forman bekommen in Hollywood die Chance, ihre vom europäischen Kino der 60er inspirierten Filme wie „Chinatown“, „Coming Home“, „Hair“ und „Einer flog übers Kuckucksnest“ mit großen Etats zu drehen. Erstaunliche Erfolge beim jungen Publikum feiern die ersten Verfilmungen der beliebten Comicreihen um „Asterix“ und „Lucky Luke“.


    Zur Mitte der 70er etabliert „Der Weiße Hai“ von Steven Spielberg ein neuartiges und aufregendes Kino in den klassischen Filmgenres des Horror-, Abenteuer- und Science-Fiction-Films. Der „Weiße Hai“ markiert die Geburtsstunde des „Hollywood-Blockbuster-Kinos“. Derweil erlebt auch der „Neue deutsche Film“ seinen künstlerischen Höhepunkt – mit zum Teil erstaunlich hohen Besucherzahlen. Die Arbeiten von Rainer Werner Fassbinder („Angst essen Seele auf“), Wim Wenders („Alice in den Städten“), Werner Herzog („Woyzeck“) und Volker Schlöndorff („Die verlorene Ehre der Katharina Blum“) greifen den Zeitgeist und die gesellschaftlichen Problemstellungen der 70er auf.

    Die Kinofamilie Stroeve verweigert sich dem Trend zum Schachtelkino

    Für die Kinofamilie Stroeve sind die 70er allerdings ein Jahrzehnt, in dem sie um den Fortbestand ihrer ABC-Filmtheater kämpfen muss. Große Teile des früheren Filmpublikums wandern ins Heimkino des 1970 eingeführten Farbfernsehens ab.

    Zeitweise wissen sich auch die ABC-Filmtheater nicht anders zu helfen, als genau die Filmware zu zeigen, die in den Fernsehprogrammen von ARD und ZDF nicht zu sehen ist – und für die es in den 70ern auch noch kein Angebot in Gestalt von Viedeotheken mit der Extra-Abteilung „Zutritt nur ab 18“ gibt. Bis zur Mitte des Jahrzehnts läuft im Capitol und Bavaria eine endlos erscheinende Reihe deutscher Sexfilmchen wie „Lass jucken Kumpel“, „Schulmädchen-Report“, „Unterm Dirndl wird gejodelt“ und schwüler französischer Soft-Erotik-Streifen: von „Emanuelle“ bis zur „Geschichte der O“.


    Zum Glück für die verbliebenen Filmfreunde halten die Stroeves auch in schwierigen Jahren an ihren großen Kinosälen fest. Zwar haben auch sie Pläne zur Umwandlung des Astoria-Palastes in ein „Filmcenter“ mit drei Schachtelkinos in der Schublade. Aber ab Mitte der 70er sorgen die Erfolge des „Weißen Hai“, der „Krieg der Sterne-Trilogie“ und der Disco-Filme „Saturday Night Fever“ und „Grease“ für einen finanziellen Aufschwung. Nun sind die großen Leinwände gefragt, die seit 1978 mit neuen Lautsprechersystemen, dem „Dolby-Stereo-Sound“ ausgestattet werden. Der Astoria-Palast wird 1979 soundtechnisch aufgerüstet.

    Die Kinohits im Nordhorn der 70er

    Die Durchsicht aller Anzeigen der ABC-Filmtheaterbetriebe zwischen 1970 und 1979 ergibt eine Kinohitparade. Die Filme mit den längsten Laufzeiten:

    1. Spiel mir das Lied vom Tod, Spätwestern, USA-Italien 1968, Regie: Sergio Leone (12 Wochen)

    2. Einer flog über das Kuckucksnest, New-Hollywood-Drama, USA 1975, Regie: Milos Forman (7 Wochen)

    3. 007 – Leben und sterben lassen, James Bond-Film, England 1972, Regie: Guy Hamilton (6 Wochen)

    4. Easy Rider, Roadmovie, USA 1969, Regie: Dennis Hopper (6 Wochen)

    5. Saturday Night Fever – Nur Samstag nacht, Disco- Tanzfilm, USA 1977, Regie: John Badham (6 Wochen)

    6. Love Story, Hollywood-Liebesdrama, USA 1969, Regie: Artur Hiller (6 Wochen)

    7. Asterix erobert Rom, Zeichentrickfilm, Frankreich 1975, Regie: René Goscinny (5 Wochen)

    8. Lucky Luke, Zeichentrickfilm, Belgien 1971, Regie: René Goscinny (5 Wochen)

    9. Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Arthouse-Kino, Bundesrepublik 1975, Regie: Volker Schlöndorff (5 Wochen)

    10. Krieg der Sterne, Teil 1, Hollywood-Science Fiction, USA 1977, Regie: George Lucas (4 Wochen)

    11. Jaws – Der weiße Hai, Hollywood-Thriller, USA 1974, Regie: Steven Spielberg (4 Wochen)

    12. Der Pate, Teil 1, Mafia-Film, USA 1971, Regie: Francis Ford Coppola (4 Wochen)

    13. Chinatown, Noir-Kriminalfilm, USA 1974 (4 Wochen)

    14. Grease, Tanzfilm mit John Travolta, USA 1978, Regie: Randal Keiser (4 Wochen)

    15. Fluchtpunkt San Franzisko – Vanishing Point, Roadmovie, USA 1970, Regie: Richard Sarafian (3 Wochen).


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  • Fußball-WM 1970 und 1974 – das DFB-Team im NINO-Dress


    Zu Beginn der 1970er Jahre reagiert das größte Nordhorner Textilunternehmen, die Firma NINO auf den wachsenden Markt im Bereich von Freizeit- und Sportbekleidung. Zu einem echten Marketingcoup entwickelt sich die Zusammenarbeit von NINO mit dem DFB und der Nationalmannschaft. Im Juni 1970 beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Mexiko. Das abschließende Trainingslager des bundesdeutschen Teams findet im Mai im Sport- und Trainingszentrum Barsinghausen bei Hannover statt. Dort stattet NINO die Mannschaft mit sommerlicher Reisekleidung aus der aktuellen Herren-Kollektion „Die Luftleichten“ aus: Neben dem NINO-Flex-Trenchcoat gibt es sieben Freizeithemden und -Hosen, einen offiziellen Mannschaftsanzug und einen hellgrauen Reiseanzug.


    Obere Reihe (v.l.n.r.): Wolfgang Overath (Mittelfeld, 1.FC Köln); Erich Deuser (Masseur); Siegfried Held (Angriff, Borussia Dortmund); Gerd Müller (Angriff, FC Bayern München); Helmut Schön (Bundestrainer); Willi Schulz (Abwehr, Hamburger SV); Franz Beckenbauer (Mittelfeld, FC Bayern München); Max Lorenz (Mittelfeld, Eintracht Braunschweig); Manfred Manglitz (Tor, 1.FC Köln) / 2. Reihe von oben: Günter Netzer (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach); Karl-Heinz Schnellinger (Abwehr, AC Mailand); Horst Wolter (Tor, Eintracht Braunschweig) / 3. Reihe von oben: Sepp Maier (Tor, FC Bayern München); Jupp Derwall (Co-Trainer); Uwe Seeler (Angriff, Hamburger SV); Jürgen Grabowski (Angriff, Eintracht Frankfurt); Helmut Haller (Mittelfeld, Juventus Turin); Berti Vogts (Abwehr, Borussia Mönchengladbach); Dr. Hannes Schoberth (Teamarzt); Bernd Patzke (Abwehr, Hertha BSC) / vordere Reihe: Stan Libuda (Angriff, Schalke 04); Peter Dietrich (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach); Adolf „Adi“ Dassler (Hauptsponsor Adidas); Horst-Dieter Höttges (Abwehr, Werder Bremen); Klaus-Dieter Sieloff (Abwehr, Borussia Mönchengladbach); Wolfgang Weber (Abwehr, 1.FC Köln); Klaus Fichtel (Abwehr, FC Schalke 04). Es fehlt: Hannes Löhr (Angriff, 1. FC Köln).


    Zur Erinnerung – die wichtigsten Spiele bei der WM 1970:

    BRD – England: 3:2 nach Verlängerung: Im Viertelfinale trafen die Finalgegner der vorangegangenen WM 1966 aufeinander – und trennten sich mit demselben Ergebnis – nur genau andersherum. Nach einem Zwei-Tore-Rückstand gelang dem bundesdeutschen Team eine unerwartete Aufholjagd. Ein legendäres Kopfballtor (mit dem Hinterkopf) von Uwe Seeler führte zum späten Ausgleich in der 82. Spielminute. In der Verlängerung sorgte Goalgetter Gerd Müller für das umjubelte Siegtor.

    BRD – Italien: 3:4 nach Verlängerung: Unbestritten das „Jahrhundertspiel“ der Nationalmannschaft. Bis zur 90. Spielminute stand es 1:0 für Italien, bevor ausgerechnet Karl-Heinz Schnellinger vom AC Mailand den weiten Weg nach vorne stürmte und eine Hereingabe von Jürgen Grabowski über die Linie drückte. In der Verlängerung wogte das Spiel hin und her. Franz Beckenbauer spielte nach einer Schulterverletzung mit Tape-Verband um den angelegten linken Arm. Noch in der 110.Minute glich Gerd Müller die zwischenzeitliche 2:3 Führung der Italiener aus. Aber noch während sich die Deutschen über den Ausgleich zum 3:3 freuten, nutzte Mittelfeldregisseur Gianni Rivera vom AC Mailand eine Unachtsamkeit in der Abwehr und erzielte den Siegtreffer zum 3:4. (Dem Angriffswirbel von Finalgegner Brasilien um Superstar Pele hatten die vom Halbfinale erschöpften Italiener allerdings nichts mehr entgegenzusetzen. Mit einem klaren 4:1 avancierte Brasilien zum Fußballweltmeister.)

    BRD – Uruguay 1:0. Mit einem knappen Sieg über Uruguay sicherte sich das bundesdeutsche Team den wohlverdienten 3. Platz der WM in Mexiko. Und das ohne Mitwirken des verletzten Franz Beckenbauer. Dafür aber mit einem Wolfgang Overath, der seine überragende Leistung als Spielmacher bei der gesamten WM mit dem Siegtor zum 1:0 krönte. Im WM-Jahr 1970 galt der Kölner Overath als „Brasilianer“ der Nationalmannschaft.

    Fußballweltmeisterschaft 1974: Erneut präsentiert sich NINO als Ausstatter der Fußballnationalmannschaft. Bei der WM in der Bundesrepublik in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Sportbekleidungshersteller „uwe seeler moden“. Ein Unternehmen, dass der langjährige Mittelstürmer und Kapitän der Nationalmannschaft, Uwe Seeler vom Hamburger SV, nach Ende seiner Profikarriere gründete. Über die gesamten 70er Jahre hinweg reiste Uwe Seeler regelmäßig nach Nordhorn, um bei NINO die Stoffe für seine Sportbekleidung einzukaufen.


    Obere Reihe (v.l.n.r.): Wolfgang Overath (Mittelfeld, 1.FC Köln); Jürgen Grabowski (Angriff, Eintracht Frankfurt); Berti Vogts (Abwehr, Borussia Mönchengladbach); Uli Hoeneß (Angriff, FC Bayern München); Erich Deuser (Masseur); Jupp Derwall (Co-Trainer); Heerbert Wimmer (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach); Helmut Schön (Bundestrainer); Horst-Dieter Höttges (Abwehr, Werder Bremen); Franz Beckenbauer (Abwehr, FC Bayern München); Georg Schwarzenbeck (Abwehr, FC Bayern München). Untere Reihe: Jupp Heynckes (Angriff, Borussia Mönchengladbach); Wolfgang Weber (Abwehr, 1.FC Köln); Helmut Kremers (Abwehr, FC Schalke 04); Adolf „Adi“ Dassler (Hauptsponsor Adidas); Norbert Nigbur (Tor, FC Schalke 04); Sepp Maier (Tor, FC Bayern München); Bernd Cullmann (Mittelfeld, 1.FC Köln); Gerd Müller (Angriff, FC Bayern München); Dieter Herzog (Angriff, Fortuna Düsseldorf); Paul Breitner (Abwehr; FC Bayern München). Es fehlten: Bernd Hölzenbein (Angriff, Eintracht Frankfurt); Günter Netzer (Mittelfeld, Real Madrid); Heinz Flohe (Mittelfeld, 1. FC Köln); Rainer Bonhof (Mittelfeld; Borussia Mönchengladbach); Wolfgang Kleff (Tor, Borussia Mönchengladbach)


    Zur Erinnerung … die wichtigsten Spiele bei der WM 1974:

    BRD – DDR: 0:1. Die Niederlage im Vorrundenspiel gegen die DDR war eine sportliche (und sportpolitische) Katastrophe. Es gab eine Spielerrevolte gegen den Bundestrainer Helmut Schön. Fortan bestimmten Kapitän Franz Beckenbauer und „Rebell“ Paul Breitner die Aufstellung und Taktik der Nationalmannschaft.

    BRD – Polen: 1:0. In der „Wasserschlacht von Frankfurt“ qualifizierte sich das DFB-Team mit einem knappen und glücklichen Sieg in strömendem Regen und einem von großen Pfützen übersäten Platz für das Endspiel der WM.

    BRD – Niederlande: 2:1. Nach klaren Siegen gegen Argentinien und Brasilien galten die Niederlande um den Zauberfußballer Johan Cruyff eigentlich als das beste Team der WM. Aber sie hatten die Rechnung ohne den Bayern-Block des DFB-Teams gemacht. Unter Führung von Libero Franz Beckenbauer schwang sich die DFB-Elf nach raschem Rückstand zu einer erstaunlichen Energieleistung auf. Ein von Paul Breitner sicher verwandelter Foulelfmeter und ein feiner Drehschuss von Gerd Müller inmitten eines Strafraumgewühls brachten noch vor der Halbzeitpause die Spielführung. Mit weltmeisterlicher Torwartleistung bis zum Spielende festgehalten von Torwart Sepp Maier.


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  • Mode der Sixties: „Trans-All-Look“ und „Apollo-Kollektion“

    Mode der Sixties: „Trans-All-Look“ und „Apollo-Kollektion“

    Weltraumflüge und Mondlandung inspirieren die Nordhorner Textilindustrie

    Zwischen 1961 und 1973 bricht die US-Raumfahrtbehörde NASA mit den Raumflügen des Apollo-Programms ins Weltall auf. 1969 gelingt die erste Mondlandung. Von der Faszination der ersten Weltraumflüge lassen sich auch die Nordhorner Textiler bei NINO und Povel anstecken. Bereits im Frühjahr 1966 präsentiert NINO in einer Reihe von Werbeanzeigen in bundesdeutschen Modezeitschriften eine „Trans-All-Kollektion“. Die Aufnahmen der einzigartigen Modefotografin Christa Peters zeigen einen „Weltraumlook für kühne Mädchen“ aus schimmernd weißen, federleichten NINO-Flex-Stoffen, deren Design unmittelbar auf den futuristischen, in schwarz-weißer Farbgebung gehaltenen „Space-Girl-Look“ verweist, mit dem der Pariser André Courregès 1964 einen sensationellen Auftritt als Modeschöpfer des Weltraumzeitalters feiert. Für den Trans-All-Look greifen die NINO-Modemacher etliche Elemente der Courregès-Kollektion auf: Schmal geschnittene Kurzmäntel und mit geometrischen Mustern versehene Hosen. Begleitet von passenden Kunststoff-Accessoires wie stylische Regenkappen und flache, in metallischem Weiß schimmernden Stiefeln.

    1969 zündet der örtliche Konkurrent Povel mit seinem hauseigenen „Apollo-Programm“ eine Moderakete. Eine spezielle Mini-Kollektion für junge Frauen. Die Idee des „Apollo-Programm“ von Povel formuliert der Geschäftsführer Dr. Werner Linnemann während der Jahrespressekonferenz 1969:

    „Das Apolloprogramm ist unser Rendezvous mit der modischen Zukunft. Wir wollen das epochale Ereignis der Mondlandung für die Verkaufsaktivierung nutzen. Denn ebenso explosiv, modern, zukunftssicher und richtungweisend wie das Apollo-Raumfahrt-Programm ist unsere Kollektion von Povel-Jerseystoffen aus synthetischen Trevira-Polyphan-Fasern.“

    Bereits im Dezember 1968 startet Povel die erste Raketenstufe mit einem Apollo-Modellwettbewerb: Dreißig Bekleidungshersteller aus der Bundesrepublik, aus Holland, und Skandinavien reichen ihre Ideen für eine „junge Damenmode im Apollo-Stil“ ein. Im April 1969 werden die Gewinner-Modelle bei einer großen „Apollo-Modenschau“ vorgestellt, die Povel im Rahmenprogramm der alljährlichen „IGEDO-Damenmodemesse“ inszeniert. 

    Die Fachzeitschrift Textilwirtschaft feiert „ein avantgardistisches Marketingprogramm, das im Raumfahrttempo das Publikum erobern soll“. Im Rheingoldsaal der Düsseldorfer Rheinterrassen erfolgt der Countdown zur zweiten Stufe des Apollo-Starts. Den Aufbruch ins modische Weltall unterstreichen silberne Ballonkapseln unter der goldenen Kuppel, Sphärenmusik und über den Laufsteg tanzende Apollo-Mädchen in glitzerndem Sternenschmuck, superkurzen Minikleidchen, farblich passenden Strumpfhosen und poppig bunten, eng tailliert geschnittenen Blusen.

    Ein millionenschweres Mode- und Marketingprogramm, das in den Wochen und Monaten nach der geglückten Mondlandung der Amerikaner zu einem wahren Verkaufsschlager werden sollte. Im September 1969 zündet Povel die Hauptstufe seiner Apollo-Rakete. In bundesweit erscheinenden Mode- und Frauenzeitschriften wie Petra, Freundin, Für Sie und Brigitte erscheinen eine Reihe ganzseitiger Farbanzeigen, mit denen die in Povel-Lizenz hergestellte „Apollo-Kollektion“ beworben wird. Aufwendig gestaltete Fotomontagen, die Povel-Weltraummädchen in der Umlaufbahn des Mondes durch das All fliegen lassen. Eine romantische Popmode auf dem Weg zum Mond, zu fremden Sternen und Planeten. Im September 1969 schaltet Povel zudem insgesamt zwölfmal einen halbminütigen Apollo-Werbespot im ZDF-Fernsehprogramm.  

    Ob der „Trans-All-Look“ von NINO oder der „Apollo-Stil“ von Povel – ähnlich frech, kühn, zeitgeistig und verrückt sollten die Kollektionen der Nordhorner Textiler nie wieder ausfallen. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin dürften jedenfalls nichts dagegen gehabt haben, wenn sie den Mondmädchen von NINO und Povel in den Weiten des Alls begegnet wären.


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